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Interview mit CEO
Johann Marihart

Dipl.-Ing. Johann Marihart
Vorstandsvorsitzender



GERADE DAS LETZTE GESCHÄFTSJAHR SEINER 33-JÄHRIGEN VORSTANDSTÄTIGKEIT FÜR DIE AGRANA-GRUPPE SOLLTE FÜR CEO JOHANN MARIHART EIN BESONDERS HERAUSFORDERNDES WERDEN. WIR SPRACHEN MIT DEM VORSTANDSVORSITZENDEN ÜBER AUSSERGEWÖHNLICHE RAHMENBEDINGUNGEN, ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN UND SEINE HIGHLIGHTS IN DEN LETZTEN DREI JAHRZEHNTEN.

1 Ein Geschäftsjahr unter außergewöhnlichen Rahmenbedingungen ist zu Ende gegangen. Wie ist es AGRANA bislang bei der Bewältigung der COVID-19-Herausforderungen ergangen?

JM: Wir müssen uns nunmehr seit über einem Jahr einer neuen Realität stellen. Die Pandemie hat alles noch volatiler gemacht und eine sprunghafte Veränderung in unserer Arbeitswelt zur Folge gehabt. Es ist aber nicht möglich, im Home-Office zu produzieren. Dieses Spannungsfeld haben wir sehr gut gemeistert.

2Was wirklich zählt war also gerade 2020|21 mehr als das Ergebnis?

JM: Ein Ergebnis nahe dem Vorjahresniveau1 hätten wohl viele gerne. Wir decken mit unserem Portfolio einen krisenfesten Bedarf. Aber so erfreulich das ist, so schwierig ist es, alles wie gewohnt am Laufen zu halten und physisch Rohstoffe in die Fabriken und unsere Produkte zum Kunden zu bringen – mit Home-Office und virtuellen Meetings. Unsere Mitarbeiter haben im letzten Geschäftsjahr einen großartigen Einsatz gezeigt.

3 Welche Perspektiven und Zukunftschancen sehen Sie für die gesamte Gruppe?

JM: Ich denke bezüglich Chancen und Perspektiven für AGRANA hat sich durch die Pandemie nichts geändert. Weder die Zucker- noch die Stärke- oder Frucht-Welt wird eine andere. Unsere Wachstumschancen sind intakt. Aber noch mehr ist profitables Wachstum das Ziel und es ist schwieriger, an Akquisitionen mit vernünftigem Payback zu kommen.

4 Apropos Zukunft: Die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf in Niederösterreich stand beinahe vor dem Aus. Wie wird es mit der Zuckerproduktion im Allgemeinen weitergehen?

JM: Ja, Leopoldsdorf stand vor dem Aus. Ein Zusammenspiel aus Tiefstpreisen nach dem Quotenende, Schädlingsdruck, Trockenheit und Alternativkulturen, aber auch der hohe Bio-Anteil in Österreich verringerten den Rübenanbau. Was bleibt ist der Rohstoffwettbewerb – nur höhere Zuckerpreise können die Rübenbedarfsdeckung garantieren. Unsere Marktposition im osteuropäischen Zuckerdefizitgebiet ist eine gute Voraussetzung dafür.

5 Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Welchen Beitrag wird AGRANA zum Erreichen des Pariser Klimazieles leisten?

JM: AGRANA verwendet v. a. in den Segmenten Stärke und Zucker energieintensive Technologien. Wir unterliegen dem EU-Emissionshandelssystem, d. h. für uns hat CO2 seit Jahren einen Preis. Wir haben einen Plan mit konkreten Projekten, bis 2040 CO2-Neutralität in unserer Produktion zu erreichen.

In der ersten Etappe bis 2025|26 wollen wir 25 % Emissionen einsparen. Konkret mit dem Umstieg auf Grünstrom, dem Kohleausstieg in den letzten bei- den damit betriebenen Zuckerfabriken und vielen einzelnen Energieeffizienzmaßnahmen. Wir werden weiters verstärkt dazu übergehen, weniger wert- volle Nebenprodukte auch energetisch zu nutzen, wie wir das in Ungarn mit Biogas aus Rübenschnitzeln und Strohverbrennung schon einige Jahre tun. Der Preis für CO2 wird aber von derzeit 40 € pro Tonne auf über 100 € steigen müssen, und es wird dafür Exportentlastung bzw. Importbelastung für die CO2-Fracht geben müssen, um genügend „Anstoß“ zu geben.

6 Nach knapp 33 Jahren im Vorstand des Unternehmens, davon etwas mehr als 29 Jahre als CEO – was waren Ihre persönlichen Highlights?

JM: Ich durfte ungewöhnlich früh und lange Verantwortung übernehmen. Ich denke, die Entwicklung von AGRANA spricht für sich. Wir konnten die Chancen aus Ostöffnung, EU-Beitritt sowie EU-Erweiterung in den Jahren 1990 bis 2000 gut nützen und haben danach erfolgreich diversifiziert, in Frucht, in Ethanol und Weizenstärke. Für mich gibt es da keine Highlights, jedes Segment, jedes Projekt braucht volle Zuwendung, das Wollen, die Ausdauer – und dann ist es erfreulich, wenn es erfolgreich ist. Es gibt im Managerleben selten die Chance zu echten Greenfield Investments. Ich hatte sie: Der Bau der integrierten Weizenstärke- und Bioethanolanlage in Pischelsdorf war insofern etwas Besonderes.

7 Was wünschen Sie der AGRANA-Gruppe und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Zukunft?

JM: Dass es weiter gelingen möge, künftige Entwicklungen zu antizipieren, flexibel zu bleiben, innovativ zu sein und das alles in einem guten wirtschaftspolitischen Umfeld.

1 Das EBIT im Geschäftsjahr 2019|20 vor dem Restatement betrug 87,1 Mio. €.

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