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Segment
Stärke

Basics

Ebene der Geschäftsbeziehung B2B Produkte Unterscheidung in Food-, Non-Food- und Feed-Bereich; native und modifizierte Stärken, Verzuckerungsprodukte, Alkohol/Bioethanol, Nebenprodukte (Futter- und Düngemittel) Verarbeitete Rohstoffe Mais, Weizen, Kartoffeln
Hauptmärkte Zentral- und Osteuropa, schwerpunktmäßig Österreich und Deutschland, auch Spezialmärkte wie z. B. USA und VAE Abnehmer Food: Nahrungsmittelindustrie; Non-Food: Papier-, Textil- und bauchemische Industrie, pharmazeutische und Kosmetikindustrie, Mineralölindustrie; Feed: Futtermittelindustrie Besondere Stärken Gentechnikfrei und starker Bio-Fokus

Geschäftsentwicklung im
Segment Stärke

Umsatzerlöse und EBIT im Segment Stärke

Der Umsatz des Segmentes Stärke im Geschäftsjahr 2020|21 stieg leicht (+1,8 %) auf 821,9 Mio. €. Mengen- und Umsatzzuwächse wurden mit Weizenstärke aufgrund des Kapazitätsausbaus in Pischelsdorf|Österreich erzielt. Gleichzeitig ging die Marktnachfrage bei fast allen Hauptprodukten zurück und führte zu erhöhtem Preisdruck. Als eine Auswirkung der COVID-19-Pandemie zeigten sich die Notierungen für Ethanol hochvolatil. Die Umsatzerlöse der Nebenprodukte stiegen aufgrund höherer Weizenglutenverkäufe leicht an. Der Anteil des Segmentes Stärke am Konzernumsatz betrug 32,3 % (Vorjahr: 32,5 %).

Mit einem EBIT in Höhe von 64,8 Mio. € lag das Segment Stärke um 13,8 % unter dem Vorjahreswert. Während die Margen bei den Hauptprodukten aufgrund einer reduzierten Marktnachfrage rückläufig waren, lagen die Einkaufspreise für Rohstoffe und Energie auf Vorjahresniveau. Durch die größeren Investitionen in den letzten Geschäftsjahren stiegen auch die Abschreibungs- und Personalkosten. Der Ergebnisanteil der nach der Equity-Methode einbezogenen HUNGRANA-Gruppe stieg von 16,3 Mio. € auf 19,4 Mio. €. Das ungarische Joint Venture verzeichnete zwar auch Preisrückgänge bei Verzuckerungsprodukten und Alkoholen, Währungseffekte aus den in Euro abgewickelten Exporten wirkten sich aber positiv auf das Ergebnis aus. Insgesamt sank die Profitabilität (EBIT-Marge) des Segmentes 2020|21 auf 7,9 % nach 9,3 % im Vorjahr.

Umsatzerlöse im Segment Stärke

EBIT im Segment Stärke

Umsatz nach Produktgruppen 2020|21

Marktumfeld

Die COVID-19-Pandemie beeinflusste nahezu alle Absatzmärkte für Stärkeprodukte. Die Planbarkeit des Geschäftes, Neuproduktentwicklungen bis hin zu Approbierungen bei Neukunden sowie abgesagte Verkaufsmessen waren davon umfasst.

Im Lebensmittelbereich war eine deutliche Verschiebung von Food Service- und Tourismus-Orientierung hin zur klassischen B2C-/Retail-Nachfrage festzustellen. Der Mengen- und Preisdruck bei Verzuckerungsprodukten im Berichtszeitraum war weiterhin hoch. Neue Marktimpulse blieben aufgrund der unsicheren Situation weitgehend aus.

Die Preise bei Kartoffelstärke sind aufgrund einer überdurchschnittlichen europäischen Kartoffelernte und der damit einhergehenden hohen Verfügbarkeit unter Druck.

Im Bereich Säuglingsmilchnahrung konnten neben dem Bestandsgeschäft einige neue Kunden akquiriert werden. Erfolgreich verlief diesbezüglich eine Produkteinführung am US-Markt, Verkäufe in Asien gestalteten sich schwierig.

Im Geschäftsbereich der technischen Stärken entwickelten sich die Absätze an die Verpackungspapierindustrie positiv. Insbesondere im vierten Quartal des Geschäftsjahres konnte infolge von Zuwächsen im Online-Handel eine gesteigerte Nachfrage festgestellt werden. Grafische Papiersorten hingegen waren deutlich weniger nachgefragt.

Erfreulich zeigte sich die Geschäftsentwicklung bei Futtermitteln. Insbesondere ActiProt® verzeichnete aufgrund der reduzierten Verfügbarkeit von Raps- und Sonnenblumenschrot steigende Preise. Bei vitalem Weizenkleber und Maiskleber konnten ebenfalls höhere Preise erzielt werden.

Bioethanol

Am europäischen Treibstoffalkoholmarkt kam es während des ersten Lockdowns (ab März 2020) zu Verbrauchsrückgängen von über 40 %. In der Folge gerieten die Notierungen für Ethanol stark unter Druck und ein Allzeittief von 350 € pro m3 (FOB Rotterdam) war die Folge. Trotz zahlreicher Stornierungen und Verschiebungen von Ethanolbezügen durch bestehende Kunden konnten im ersten Quartal 2020|21 Mengenverluste durch das frühzeitige Forcieren von Verkäufen in den Desinfektionsbereich kompensiert werden. Nach den COVID-19-Lockerungsmaßnahmen und der Wiederbelebung des Individualverkehrs ab den Sommermonaten stieg auch der Ethanolbedarf wieder deutlich. Die Kombination aus erhöhten Beimischverpflichtungen in der EU im Zuge der Erneuerbare-Energie-Richtlinie und verzögerten Ethanolimporten verstärkte die Knappheit in Europa und führte zu einem historischen Höchststand der Notierungen von über 800 € pro m³ im August. Seit dem Herbst 2020 mit erneuten Mobilitätsrestriktionen sind die Ethanolnotierungen wieder deutlich zurückgegangen und pendelten sich ab Dezember 2020 bei rund 500 € pro m³ ein. Die weitere Entwicklung ist kurzfristig sehr stark in Verbindung mit Umfang und Zeitpunkt von Lockerungen zu sehen. Mittelfristig wird die jüngst angekündigte Einführung von E10 in Großbritannien im Herbst 2021 für zusätzliche Nachfrageimpulse sorgen.

EU-Richtlinie für erneuerbare Energien

Am 21. Dezember 2018 wurde die Erneuerbare Energie Richtlinie der EU (RED II) verabschiedet. Aktuell wird an der nationalen Umsetzung dieser Richtlinie gearbeitet, welche bis zum 30. Juni 2021 in Kraft treten soll.

Diese Richtlinie sieht eine Untergrenze von 14 % erneuerbare Energie im Transportbereich bis zum Jahr 2030 vor. Der Anteil der getreidebasierten Biotreibstoffe wurde mit dem nationalen Beitrag im Jahr 2020, maximal jedoch 7 %, begrenzt. Weiters wurde ein Unterziel für sogenannte fortschrittliche Biokraftstoffe („2. Generation“) in Höhe von mindestens 3,5 % bis zum Jahr 2030 festgelegt. Die Rohstoffliste für die fortschrittlichen Biokraftstoffe wird in Anhang IX der Richtlinie festgelegt und kann durch die EU-Kommission ergänzt werden.

In Österreich beträgt das Substitutionsziel von Biotreibstoffen gemäß derzeit gültiger Kraftstoffverordnung 5,75 % (basierend auf RED I) und davon 3,4 % aus Bioethanol (jeweils bezogen auf den Energiegehalt). Die Einführung von E10 würde den Biotreibstoffanteil unmittelbar mit den vorhandenen Produktionskapazitäten auf das 7 %-Ziel anheben. Auf nationaler Ebene würde damit nicht nur der RED II-Richtlinie entsprochen, sondern auch die nachweisbare Verringerung von Partikel-Emissionen könnte erreicht werden.

Rohstoff und Produktion

Der Internationale Getreiderat (IGC1) sieht die weltweite Getreideerzeugung2 im Getreidewirtschaftsjahr3 2020|21 bei 2,22 Mrd. Tonnen und damit über dem Vorjahresniveau, jedoch leicht unter dem erwarteten Verbrauch. Die weltweite Weizenproduktion wird auf 773 Mio. Tonnen (Vorjahr: 762 Mio. Tonnen; erwarteter Verbrauch: 756 Mio. Tonnen) geschätzt, die globale Maiserzeugung auf 1.134 Mio. Tonnen (Vorjahr: 1.125 Mio. Tonnen; erwarteter Verbrauch: 1.163 Mio. Tonnen). Die gesamten Getreidelagerbestände zum Ende des Wirtschaftsjahres werden mit 611 Mio. Tonnen um rund 6 Mio. Tonnen niedriger als im Vorjahr erwartet.

Der Verlauf der Terminnotierungen für Getreide in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2020|21 entwickelte sich seitwärts. Seit Mitte August bis zum Geschäftsjahresende stiegen die Notierungen stark an. Am Bilanzstichtag 2020|21 notierte Weizen an der Pariser Warenterminbörse (NYSE Euronext Liffe) bei 245 € pro Tonne (Vorjahr: 188 € pro Tonne), Mais bei 226 € pro Tonne (Vorjahr: 166 € pro Tonne).

Kartoffeln

In der Kampagne 2020|21 hat die Kartoffelstärkefabrik am Standort Gmünd|Österreich in 189 Tagen (Vorjahr: 161 Tage) rund 322.300 Tonnen Stärkeindustriekartoffeln und damit die bisher höchste Menge in ihrer Geschichte verarbeitet. Die Verarbeitung von Speiseindustriekartoffeln für die Produktion von Kartoffeldauerprodukten lag mit rund 25.000 Tonnen etwas über dem Vorjahresniveau.

Mais und Weizen

AGRANA Stärke GmbH hat in Österreich an den Standorten in Aschach und Pischelsdorf im Geschäftsjahr 2020|21 rund 666.000 Tonnen Mais (Vorjahr: 759.000 Tonnen) verarbeitet. Der Anteil an Spezialmais (v. a. Wachsmais und biologisch produzierter Mais) betrug dabei rund 23 %.

Die Weizenvermahlung am Standort Pischelsdorf für die Produktion von Weizenstärke und Bioethanol konnte im Geschäftsjahr 2020|21 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 38 % auf rund 804.000 Tonnen erhöht werden. Aus der Ernte 2020 kontrahierte AGRANA über Vorverträge mit Landwirten rund 97.000 Tonnen Ethanolweizen und -tritikale. Für die Ernte 2021 wurden wieder Anbauverträge für Ethanolgetreide angeboten.

In Ungarn (HUNGRANA-Werk, nach der Equity-Methode einbezogen) lag die gesamte Maisverarbeitungsmenge 2020|21 (100 %) konstant bei rund 1 Mio. Tonnen. Im rumänischen Werk wurden mit rund 72.000 Tonnen Mais um rund 5 % weniger als im Vorjahr verarbeitet.

1 International Grains Council
2 Schätzung vom 25. Februar 2021
3 Getreidewirtschaftsjahr: 1. Juli bis 30. Juni

Produktionsablauf Maisstärke

Produktionsablauf Kartoffelstärke

Produktionsablauf Weizenstärke

Mais- und Weizennotierungen im
AGRANA-Geschäftsjahr 2020|21

Investitionen

Die Investitionen im Segment Stärke betrugen im Geschäftsjahr 2020|21 22,2 Mio. € (Vorjahr: 73,6 Mio. €). Unter anderem wurden folgende Projekte umgesetzt:

  • Maßnahmen zur Erhöhung der Spezialmaisverarbeitung in Aschach|Österreich
  • Generalüberholung der Sprühtürme in Gmünd|Österreich
  • Optimierungen in der Weizenstärkefabrik in Pischelsdorf|Österreich
  • Erweiterung der Derivateanlage in Aschach|Österreich

Zusätzlich wurden im Geschäftsjahr 2020|21 in den nach der Equity-Methode einbezogenen HUNGRANA-Gesellschaften (100 %) Investitionen im Ausmaß von 14,3 Mio. € (Vorjahr: 20,7 Mio. €) getätigt.

Anteil am Konzern-Investitionsvolumen 2020|21

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