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Segment
Stärke

Basics

Ebene der Geschäftsbeziehung B2B Produkte Unterscheidung in Food-, Non-Food- und Feed-Bereich; native und modifizierte Stärken, Verzuckerungsprodukte, Alkohole/Bioethanol, Nebenprodukte (Futter- und Düngemittel) Verarbeitete Rohstoffe Mais, Weizen, Kartoffeln
Hauptmärkte Zentral- und Osteuropa, schwerpunktmäßig Österreich und Deutschland, auch Spezialmärkte wie z.B. USA und VAE Abnehmer Food: Nahrungsmittelindustrie; Non-Food: Papier-, Textil- und bauchemische Industrie, pharmazeutische und Kosmetikindustrie, Mineralölinstustrie; Feed: Futtermittelindustrie Besondere Stärken Gentechnikfrei und starker Bio-Fokus

Geschäftsentwicklung im
Segment Stärke

Umsatzerlöse und EBIT im Segment Stärke

Der Umsatz des Segmentes Stärke im Geschäftsjahr 2018|19 lag mit 762,7 Mio. € um 1,4 % leicht über dem Vorjahreswert. Konnten bei nativen und modifizierten Stärken v. a. preisbedingte Umsatzzuwächse verzeichnet werden, so mussten deutliche Umsatzeinbußen für Verzuckerungsprodukte infolge des hohen Wettbewerbsdruckes auf dem europäischen Zuckermarkt hingenommen werden. Die Umsätzerlöse von Bioethanol lagen preisbedingt unter dem Vorjahr bei einer hohen Volatilität der Platts-Notierungen. Positive Umsatzentwicklungen konnten bei Bio- und Spezialprodukten, insbesondere Säuglingsmilchnahrung, erzielt werden. Die Futtermittelumsätze stiegen leicht. Der Anteil des Segmentes Stärke am Konzernumsatz betrug 31,2 % (Vorjahr: 29,3 %).

Das EBIT in Höhe von 51,2 Mio. € lag deutlich unter dem Rekordwert des Vorjahres von
80,2 Mio. € und entsprach damit einer Profitabilität (Marge) von 6,7 % nach 10,7 % im Vorjahr. Zu einem großen Teil ist die Ergebnisverschlechterung auf die deutlich niedrigeren Marktpreise für Bioethanol Bioethanol und Verzuckerungsprodukte zurückzuführen. Kostenseitig sind die deutlichen Energiepreissteigerungen und das höhere Getreide-Preisniveau der Ernte 2018 anzuführen. Deutlich stiegen in Folge der intensiven Ausbauaktivitäten auch die Personal- und Abschreibungskosten. Der Ergebnisanteil der nach der Equity-Methode einbezogenen HUNGRANA lag bei 16,2 Mio. € nach 30,5 Mio. € im Vorjahr. Die Mengen- und Margenverluste bei Verzuckerungsprodukten und Bioethanol waren maßgeblich für dieses schwächere Ergebnis.

Umsatzerlöse im Segment Stärke

EBIT im Segment Stärke

Umsatz nach Produktgruppen 2018|19

Marktumfeld

Die Absätze von nativen und modifizierten Stärken an die Lebensmittelindustrie waren stabil. Höhere Verkaufspreise konnten am Markt aufgrund gestiegener Rohstoff- und Energiekosten erzielt werden.

Positiv wirkte sich im technischen Stärkebereich weiterhin die anhaltend hohe Nachfrage aus der Papier- und Wellpappenindustrie aus. Kartoffelstärke ist seit der letzten Kampagne europaweit knapp.

Bei Säuglingsmilchnahrung konnten im konventionellen Bereich mehr Mengen als im Vorjahr abgesetzt werden. Im Rahmen der Umsetzung einiger Projekte im Bereich Bio- sowie spezialmilchbasierter Säuglingsmilchnahrung sind weitere Verkaufssteigerungen geplant.

Die Märkte für Nebenprodukte zeigten sich, abhängig von der jeweiligen Produktkategorie, unterschiedlich. Die Preise bei Hochproteinen (Maiskleber, vitaler Weizenkleber und Kartoffelprotein) verzeichneten eine konstante Entwicklung und bewegten sich punktuell sogar über Vorjahresniveau. Neben der Backwarenindustrie sorgten in diesem Segment auch die Bereiche Heimtiernahrung und Fischfutter für Marktimpulse.

Verzuckerungsprodukte

Bestimmend für das Umfeld bei stärkebasierten Verzuckerungsprodukten, insbesondere das Isoglukosegeschäft, ist die Markt- und Preisentwicklung bei Zucker.

Die Liberalisierung des europäischen Zuckermarktes im Oktober 2017 hat nicht nur bei Zucker, sondern auch bei Isoglukose und Stärkeverzuckerungsprodukten für deutliche Marktverwerfungen gesorgt. Historisch tiefe Zuckerpreise und ein intensiver Wettbewerb unter den Stärkeunternehmen waren bestimmende Parameter bei den Kontraktverhandlungen mit den Kunden. Freie Kapazitäten bei etablierten wie auch neuen Marktteilnehmern werden die Marktpreise bei Sirupen weiterhin auf tiefem Niveau halten.

Sprühgetrocknete Verzuckerungsprodukte verzeichneten hingegen ein erfreuliches Bild. Durch intensive Markt- und Kundengewinnungsprogramme konnten bei Maltodextrinen und getrockneten Glukosesirupen – insbesondere im Bio-Bereich – die Marktanteile ausgebaut werden.

Bioethanol

Die Volatilität am europäischen Markt für Bioethanol war auch im Geschäftsjahr 2018|19 signifikant. Die Ethanolnotierungen lagen im ersten Halbjahr 2018|19 deutlich unter der Vergleichsperiode des Vorjahres, da ein gestiegenes Angebot in der EU und höhere Importe aus Übersee auf eine nur moderat gestiegene Nachfrage trafen. Logistische Lieferschwierigkeiten in Europa aufgrund des niedrigen Wasserniveaus von Rhein und Donau während der Sommermonate sowie gestiegene Rohstoffpreise für Weizen haben den Tiefpreisen im Frühjahr zu einer Preiserholung in den Sommermonaten verholfen. Nach einem abermaligen Preisrückgang im Oktober stabilisierten sich die Ethanolnotierungen auf einem höheren Niveau, v. a. bedingt durch die Schließung einer Ethanolfabrik sowie die Produktionspause einer weiteren in Großbritannien.

EU-Richtlinie für erneuerbare Energien

Die Trilog-Verhandlungen zur Neugestaltung der Erneuerbaren Energie Richtlinie (RED II – Renewable Energy Directive) ab 2020 zwischen EU-Kommission, EU-Rat und EU-Parlament wurden im Juni 2018 abgeschlossen. Am 21. Dezember 2018 wurde die Richtlinie veröffentlicht. Die EU-Mitgliedstaaten müssen die neue Richtlinie bis zum 30. Juni 2021 in nationales Recht umsetzen.

Diese sieht eine Untergrenze von 14 % erneuerbare Energie im Transportbereich bis zum Jahr 2030 vor. Der Anteil der getreidebasierten Biokraftstoffe wurde mit dem nationalen Beitrag im Jahr 2020, maximal jedoch 7 %, begrenzt. Weiters wurde ein Unterziel für sogenannte fortschrittliche Biokraftstoffe („2. Generation“) in Höhe von mindestens 3,5 % bis zum Jahr 2030 festgelegt. Die Rohstoffliste für die fortschrittlichen Biokraftstoffe wird in Anhang IX der Richtlinie festgelegt und kann durch die EU-Kommission ergänzt werden.

Biokraftstoffe aus sogenannten „High-ILUC-Risk“1-Rohstoffen werden mit dem Beitrag im Jahr 2019 gedeckelt und sollen stufenweise ab 2023 bis 2030 gänzlich auslaufen. Darunter fällt zum Beispiel Biodiesel aus Palmöl.

Mithilfe sogenannter Multiplikatoren (Mehrfachanrechnungen) kann der Beitrag einzelner Biokraftstoffe auf das 14 %-Transportziel erhöht werden. So können Biokraftstoffe aus Anhang IX (Advanced Biofuels) doppelt angerechnet werden.

In Österreich beträgt das Substitutionsziel von Biokraftstoffen gemäß derzeit gültiger Kraftstoffverordnung 5,75 % (basierend auf RED I) und davon 3,4 % aus Bioethanol (jeweils bezogen auf den Energiegehalt). Die Einführung von E10 würde den Biokraftstoffanteil unmittelbar mit den vorhandenen Produktionskapazitäten auf das 7 %-Ziel anheben. Auf nationaler Ebene würde damit nicht nur der RED II-Richtlinie entsprochen, sondern auch die nachweisbare Verringerung von Partikel-Emissionen könnte erreicht werden und die Gewinnung von gentechnikfreiem Eiweißfuttermittel und Gärungskohlensäure als Nebenprodukte weiter erhöht werden.

Rohstoff und Produktion

Der Internationale Getreiderat (IGC1) sieht die weltweite Getreideerzeugung im Getreidewirtschaftsjahr 2018|192 bei 2,12 Mrd. Tonnen und damit leicht unter dem Vorjahresniveau sowie unter dem erwarteten Verbrauch. Die weltweite Weizenproduktion wird auf 735 Mio. Tonnen (Vorjahr: 764 Mio. Tonnen, erwarteter Verbrauch: 744 Mio. Tonnen) geschätzt, die globale Maiserzeugung auf 1.109 Mio. Tonnen (Vorjahr: 1.090 Mio. Tonnen; erwarteter Verbrauch: 1.147 Mio. Tonnen). Die gesamten Getreidelagerbestände zum Ende des Wirtschaftsjahres werden mit 593 Mio. Tonnen um rund 53 Mio. Tonnen niedriger als im Vorjahr erwartet.

Bedingt durch eine engere Versorgungssituation war der Verlauf der Terminnotierungen für Getreide im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres stark steigend. Ab September bis zum Geschäftsjahresende bewegten sich die Notierungen seitwärts. Am 28. Februar 2019 lag der Preis an der Pariser Warenterminbörse (NYSE Euronext Liffe) für Weizen bei 193 € pro Tonne (Vorjahr: 167 € pro Tonne) und für Mais bei 164 € je Tonne (Vorjahr: 156 € je Tonne).

Kartoffeln

In der Kampagne 2018|19 hat die Kartoffelstärkefabrik am Standort Gmünd|Österreich in 172 Tagen (Vorjahr: 164 Tage) rund 264.000 Tonnen Stärkeindustriekartoffeln und damit eine leicht höhere Menge als im Vorjahr verarbeitet. Die Verarbeitung von Speiseindustriekartoffeln für die Produktion von Kartoffeldauerprodukten lag mit rund 25.000 Tonnen auf Vorjahresniveau.

Mais und Weizen

Die Maisverarbeitungsmenge der AGRANA Stärke GmbH in Österreich für die Standorte in Aschach und Pischels­dorf erhöhte sich im Geschäftsjahr 2018|19 auf rund 763.000 Tonnen (Vorjahr: 668.000 Tonnen), was auf den Ausbau der Maisverarbeitung am Standort Aschach und den relativen Kostenvorteil gegenüber Weizen in der Bioethanolproduktion zurückzuführen war. Der Anteil an Spezialmais (v. a. Wachsmais und biologisch produzierter Mais) betrug dabei rund 20 %.

Die Weizenvermahlung am Standort Pischelsdorf für die Produktion von Weizenstärke und Bioethanol betrug im Geschäftsjahr 2018|19 rund 541.000 Tonnen und wurde im Vergleich zum Vorjahr um rund 7 % reduziert. Aus der Ernte 2018 wurden über Vorverträge mit Landwirten rund 83.000 Tonnen Ethanolweizen und -triticale kontrahiert. Für die Ernte 2019 wurden wiederum Anbauverträge für Ethanolgetreide angeboten.

In Ungarn (HUNGRANA-Werk, nach der Equity-Methode einbezogen) lag die gesamte Maisverarbeitungsmenge 2018|19 (100 %) mit rund 1,0 Mio. Tonnen moderat unter dem Vorjahreswert. Im rumänischen Werk wurden mit rund 71.000 Tonnen Mais um 2 % mehr als im Vorjahr verarbeitet.

1 International Grains Council, Schätzung vom 22. Februar 2019
2 Getreidewirtschaftsjahr: 1. Juli bis 30. Juni

Produktionsablauf
Maisstärke

Produktionsablauf
Kartoffelstärke

Produktionsablauf
Weizenstärke

Mais- und Weizennotierungen im
AGRANA-Geschäftsjahr 2018|19

Investitionen

Die Investitionen im Segment Stärke betrugen im Geschäftsjahr 2018|19 97,0 Mio. € (Vorjahr: 59,4 Mio. €). Auszug an wesentlichen Projekten:

  • Erweiterung der Weizenstärkeanlage in Pischelsdorf|Österreich
  • Erweiterung der Derivateanlage in Aschach|Österreich
  • Steigerung der Kartoffelverarbeitung durch Errichtung eines neuen Kartoffelstärketrockners in Gmünd|Österreich
  • Errichtung eines Kartoffelfasertrockners in Gmünd|Österreich

Zusätzlich wurden im Geschäftsjahr 2018|19 in den 
nach der Equity-Methode einbezogenen HUNGRANA-Gesellschaften (100 %) Investitionen im Ausmaß von 
19,2 Mio. € (Vorjahr: 14,8 Mio. €) getätigt.

Anteil am Konzern-Investitionsvolumen 2018|19

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